Das Friedrichstädter Lehrerseminar

 

Das neue Lehrerseminar an der Waltherstraße.

Bereits 1717 hatte der Dresdner Superintendent Dr. Löscher ein Lehrerseminar für Kursachsen gefordert. Doch erst am 10. November 1785 erließ Kurfürst Friedrich August ein „allerhöchstes Reskript“, in der Friedrichstadt ein Lehrerseminar zu gründen, um „fähige Subjecta“ zu Schullehrern auszubilden .

1787 wurde es in der 1785 gegründeten Real- und Armenschule eingerichtet. Mit acht Seminaristen, die im Dachgeschoss des barocken Schulgebäudes Unterkunft fanden, begann die Ausbildung. Erster Direktor war der Diakon Johann Gottlieb Feilgenhauer. Ihm standen mit dem Kantor von Friedrichstadt ein weiterer Lehrer sowie zwei „Kandidaten der Theologie“ zur Seite. 1789 wurde Carl Heinrich Nicolai, bis dato Vorsteher des Freimaurerinstituts, Direktor. Ihm folgte 1797 Gustav Friedrich Dinter, der „sächsische Pestalozzi“.

Während der Befreiungskriege und danach bedrückten große Geldsorgen das Seminar. Dinters Nachfolger Heise (ab 1807) bezahlte deswegen 11 Jahre lang die Lehrer und die „Heizfrau“ aus eigener Tasche.

1820 wurde die 1. Seminarordnung eingeführt. Die Ausbildung dauerte drei, ab 1840 vier Jahre. Seit 1835 war im Rahmen des Elementar-Volksschulgesetzes für alle Volksschullehrer eine Abschlussprüfung verbindlich.

Zwischen 1830 und 1836 war der Einrichtung auch eine Taubstummenschule angeschlossen.

1835 wurde die Zahl der Seminaristen auf 70 festgelegt. 60 wohnten in den „Localitäten des Schulgrundstücks“, 10 bei ihren Eltern. Es gab sechs Lehrer, die von der königlichen Kreisdirektion berufen wurden. Die Seminaristen mussten mindestens 16 Jahre alt sein, Impfschein, Geburts- und Gesundheitszeugnis sowie u.U. ein Armutszeugnis vorlegen. Um im Seminar aufgenommen zu werden, war eine Prüfung in Religion, Muttersprache, Rechnen, Schönschreiben, Musik und gemeinnützigen Kenntnissen abzulegen.

Die Seminaristen erteilten an der Armen- und Realschule unter Aufsicht der Lehrer Unterricht. In jedem Quartal hatten sie einen vollständigen Lehrplan vorzulegen. Zu Ostern gab es die Abschlussprüfung vor dem gesamten Seminar. Jeder hatte nach dieser Prüfung zwei Jahre als Hilfslehrer an der Schule zu arbeiten, die ihm zugewiesen wurde. Danach folgte die Wahlfähigkeitsprüfung, die alle Ausbildungsfächer umfasste. Mit diesem Zeugnis konnte sich der junge Lehrer auf eine Stelle seiner Wahl bewerben.

Die Revolution von 1848/49 fand im Lehrerseminar großen Widerhall. In einer Adresse an das Sächsische Gesamtministerium gaben die Seminaristen ihrer Freude über die „glückliche Neugestaltung der Dinge im Vaterland“ und der Hoffnung „für das Aufblühen der Volksschule unter der neuen liberalen Regierung“ Ausdruck. In einem Schreiben an die Frankfurter Nationalversammlung forderten sie die Einheitsschule sowie eine soziale Besserstellung der Lehrer.

Das Friedrichstädter Lehrerseminar befand sich noch bis 1866 zusammen mit der Schule im Barockgebäude an der Seminarstraße. Dann zog es in einen seinen Bedürfnissen besser entsprechenden Neubau an der Waltherstraße um. Dadurch erhielt auch die Friedrichstädter Schule mehr Raum.