Die Schulen der Friedrichstadt

In der Friedrichstadt gab es schon vor mehr als 200 Jahren verschiedene Arten von Schulen. Das ist ungewöhnlich, denn Friedrichstadt war nur ein kleiner Ort an der Stadtgrenze von Dresden.

Wir kennen aus dieser Zeit

Schulen mit lokaler Bedeutung , also „Grundschulen“ nur für die Einwohner der Friedrichstadt. Sie waren aus „Winkelschulen“ und der Kantorenschule entstanden und hatten sich später zu Distrikts-, Bezirks- und Bürgerschulen entwickelt. Dazu kamen die Armen- oder Freischule, die erste Realschule in Sachsen und katholische Schulen.

Schulen, die über den Stadtteil hinauswirkten: Dazu gehörte eine Armenschule der Freimaurer, später das Freimaurer-Institut für Knaben. Die Mädchen erhielten eine eigene Freimaurerschule. In der Friedrichstadt entstanden auch das erste Lehrerseminar für Kursachsen, der erste Fröbel-Kindergarten in Dresden und die Königlich-Sächsische Turnlehrerbildungsanstalt.

Wie kam es dazu?

Die Kurfürsten hatten schon zeitig eine enge Beziehung zu diesem Gebiet, das vor den Toren ihrer Residenzstadt Dresden lag, dem Vorwerk Ostra. Es war schon im 16. Jahrhundert im kurfürstlichen Besitz. Kurfürst Johann Georg II. verlieh der „Neustadt Ostra“ 1679 fast schon Stadtrechte. Er und seine Nachkommen förderten die wirtschaftliche Entwicklung dieses Ortes.

Die Kurfürsten sorgten nicht nur für Schulordnungen und „Fürstenschulen“ (in Meißen, Grimma und Schulpforte), sondern ließen auch Stadt- und Landschulen überprüfen. Dies war Aufgabe der Pfarrer und ihrer Vorgesetzten, der Superintendenten, und des Oberkonsistoriums. Die Lehrer waren damals in der Regel Kirchendiener – sie unterstanden direkt dem Pfarrer der Ortskirche und hatten als Küster, Organisten und Kantoren einen Teil ihrer Zeit auf den Kirchendienst zu verwenden.

Ostra hatte lange Zeit keine Kirche – die Einwohner waren entweder nach Briesnitz oder zur Annenkirche eingepfarrt. Als 1725 eine eigene Kirchgemeinde gegründet und die Friedrichstädter Kirche gebaut wurde, erhielt der Kirchenrat das „Kollaturrecht“, also das Recht, den Pfarrer und auch den Kantor und Lehrer einzusetzen. Damit hatten in der Friedrichstadt Kirchenrat und Oberkonsistorium eine direktere und engere Verbindung zum Schulwesen als das an anderen Orten möglich war.

Trotz der Förderung und trotz der Nähe der Residenz, die vielen Handwerkern Brot gab, waren die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Friedrichstadt sehr schlecht. Dies lag nicht nur an den häufigen Hungersnöten, von denen das ganze Land betroffen war, sondern auch am Zustrom von Hungernden und Arbeitslosen, die sich eben wegen der Nachbarschaft zu Dresden Hoffnung auf Erwerbsmöglichkeiten machten. Friedrichstadt war ein armer Ort mit sehr vielen Kindern, denen es an Unterricht fehlte.

Abhilfe wurde geschaffen zum einen durch die Genehmigung von Winkelschulen mit wenig Schulgeld, durch die Einrichtung von Armenschulen, in denen kein Schulgeld bezahlt werden musste, und durch eine Schulform, die es in anderen Ländern schon gab, die aber für Kursachsen neu war – die Realschule.

Die beginnende Industrialisierung verlangte die Ausbildung von Jugendlichen mit Kenntnissen über Land und Leute und Grundkenntnissen für Handwerk und Technik. Dresden hatte das Glück, mit Oberkonsistorialrat Peter von Hohenthal im Oberkonsistorium einen hohen Mitarbeiter zu haben, der während seiner früheren Tätigkeit in Wittenberg schon eine Realschule gegründet hatte. Eine solche Schule strebte er auch in seinem engeren Verantwortungsbereich – in Friedrichstadt – an.

Hier hatten wohlsituierte Bürger – John, Lingke, Pelargus – durch Stiftungen und Grundstücksschenkungen die Voraussetzungen für die Errichtung der Armen- und Realschule geschaffen. Dies erfolgte 1785 durch die Bemühungen des Oberkonsistoriums und der Geistlichen an der Friedrichstädter Kirche, vor allem den Diakons Feilgenhauer.

Von Anfang an war das Oberkonsistorium, insbesondere Oberkonsistorialrat Rädler, bestrebt, ein dringend notwendiges Lehrerseminar einzurichten. Voraussetzung dafür war die Realschule in Friedrichstadt .

Eine andere Organisation bemühte sich ebenfalls um arme und auch obdachlose Kinder – die Freimaurerlogen. In Verbindung mit dem Pfarrer in Friedrichstadt, Raschig, begründeten sie eine Armenschule, aus der sich ein wichtiges Erziehungsinstitut entwickelte. Hier mag zusätzlich die Möglichkeit eine Rolle gespielt haben, ein geeignetes Grundstück kaufen zu können.

So kamen bei der Gründung der verschiedenen Schulen viele Umstände zusammen – das Interesse der Kurfürsten an diesem Ort, die Einsetzung pädagogisch engagierter Geistlichen, die Initiative von Behörden und Privatpersonen – und die große Not der Kinder.