Ausstellung Reformschulzimmer
Reformschulzimmer mit Ausblick

Projektarbeit, Koedukation, „offener Unterricht“, Elternbeteiligung – kaum jemand weiß, dass das keine Erfindungen unserer Tage sind, sondern die Früchte der Reformpädagogik der Weimarer Republik. Ihr widmet sich ein neuer Raum im Dresdner Schulmuseum. Im Zentrum stehen drei öffentliche Schulen, die zu Beginn der zwanziger Jahre den Versuchsschulstatus erhielten: die Versuchsschulen in Hellerau und am Dresdner Georgplatz - beides Volksschulen - und die Dürerschule als Staatlich Höhere Versuchsschule. Letztere zählt zu den bedeutendsten reformpädagogischen Gymnasialmodellen der Weimarer Republik.

Die Dresdner Reformschulbewegung war darüber hinaus durch eine Reihe weiterer markanter pädagogischer Experimente geprägt, so etwa die Freie Rudolf-Steiner-Schule (Waldorfschule), die Freie Neue Internationale Schule Hellerau (u.a. mit A. S. Neill, dem späteren Begründer von Summerhill und Vater der antiautoritären Erziehung), die Waldschule in der Heide, wo bedürftige Volksschüler inmitten der Natur leben und lernen konnten. Auch Vorschulen wie Fröbelkindergärten und Montessori-Kinderhaus gehörten zu den Neuerungen jener Zeit.

Aufgrund jahrelanger Kontakte zu ehemaligen Versuchsschülern wurde im Museum an der Seminarstraße eine erst Präsentation der Dresdner Reformschulbewegung möglich. Schenkungen, Zeitzeugenberichte, Studentenarbeiten lassen die Vision von einer „Neuen Schule“ lebendig werden, deren Umsetzung in Euphorie begann und die 1933 durch die Nationalsozialisten zerschlagen wurde.